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 Datum  07-02-2005
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Wenn wir von Liebe sprechen, meinen wir damit oft sehr Unterschiedliches. Ich möchte versuchen, dieses Wort zu differenzieren und greife dazu drei Dimensionen heraus: Caritas, Erotik und Philia, die Freundschaft. Caritas ist die lateinische Übersetzung des griechischen Wortes Agape und meint in der wörtlichen und profanen Bedeutung die liebevolle Aufnahme, die Gastfreundschaft, die Bewirtung, die Sorge für Leib und Seele, also die fürsorgende Liebe, weshalb manche Fürsorgeeinrichtungen ‚Caritas‘ heißen. Erotik, griechisch ‚Eros‘, bezieht sich auf das leidenschaftliche Begehren und ist ein besonders belasteter Begriff, dessen Bedeutungsfeld vom Eroscenter bis zur Lust an der Erkenntnis reicht. Schließlich drückt sich die Freundschaft, griechisch Philia, für die wir zwar ein eigenes Wort haben, die aber in der Regel nicht mit dem deutschen Wort Liebe in Zusammenhang gebracht wird, in gemeinsamen Überzeugungen aus.

Diese drei klassischen Begriffe verbinden sich mit konkreten Vorstellungen und stellen drei sehr unterschiedliche Dimensionen von Liebe dar. Ich schicke nun meine These voraus: Viele Schwierigkeiten in der Beziehung zwischen den Geschlechtern folgen daraus, daß diese drei Formen von Liebe entweder nicht genug unterschieden oder auseinandergerissen werden. Im einen Fall ist dann alles eins, nämlich ‚die‘ Liebe, ob es sich um Fürsorge oder Leidenschaft handelt, im anderen Fall werden die verschiedenen Formen der Liebe getrennten Lebensbereichen zugeordnet wie etwa: erotische Beziehungen zum anderen Geschlecht, Freundschaft mit Personen des gleichen Geschlechts, Caritas im Raum der Kirche. Aber im Beziehungsgeflecht zwischen den Geschlechtern kommen alle drei Formen der Liebe zusammen. Dennoch müssen sie unterschieden werden, weil sie die Erwartungen aneinander bestimmen. So kann zum Beispiel eine Krise entstehen, wenn eins von beiden das durchaus berechtigte Gefühl hat, alles fürs andere getan zu haben, ohne zu erkennen, daß sich dieses ‚alles‘ auf die fürsorgende, caritative Liebe bezieht, während die andere Seite das ebenso berechtigte Gefühl hat, nichts bekommen zu haben, weil sich die Erwartung auf die erotische Dimension bezieht. Ersteres ist häufig ein Problem von Frauen, letzteres häufig ein Problem von Männern, aber es kann sich auch umgekehrt verhalten. Konflikte können auch dann entstehen, wenn man meint, das Band der Freundschaft könne nicht die Basis einer erotischen Geschlechterbeziehung sein, um dann die mangelnde gleiche Gesinnung zu beklagen.

So kann es wichtig sein, sich die verschiedenen Formen von Liebe bewußt zu machen, um zu erkennen, was wann am Platz ist, wann mein Gegenüber Fürsorge, Erotik oder freundschaftliche Solidarität verlangt und braucht, und wie ich selbst deutlich machen kann, wessen ich in welcher Situation bedarf. Ebenso wichtig ist es deshalb, die Ausdrucksformen von Liebe wechseln zu können, sich nicht nur auf eine zu fixieren, um aufmerksam zu bleiben dafür, was mein Gegenüber jeweils von mir abruft, und zugleich dafür, was ich abrufen will.

Es hat also durchaus einen Sinn, sich mit diesen klassischen Begriffen zu beschäftigen, denen jeweils eine geistige Dimensionen entspricht und damit jeweils eine bestimmte Haltungs- und Handlungsform. Mir geht es hier einmal sehr bewußt nicht um eine psychologische Betrachtung. So wichtig diese auch ist, stellt sie doch nur eine Facette unter vielen anderen Sichtweisen dar. Jede Sichtweise kann nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit erfassen, weil sie immer von bestimmten Voraussetzungen, von Prämissen ausgeht, die die Wahrnehmung prägen. Wenn zum Beispiel Sigmund Freud davon ausgeht, daß der Mensch ein Triebwesen ist, dann trifft das einen wichtigen Aspekt, aber nicht alles. Andere psychologische Theorien haben wieder andere Prämissen und leiten die Wahrnehmung in eine andere Richtung. Die drei genannten Formen der Liebe stellen als geistige Dimension wiederum eine andere Betrachtungsweise dar, die mir aber vernachlässigt erscheint, weshalb es hier nun darum gehen soll. Schließlich möchte ich auch den theologischen Aspekt thematisieren, denn die Agape ist weit über den profanen Sprachgebrauch der Fürsorge hinaus zum Inbegriff der Gottes- und Nächstenliebe geworden. In allen Religionen geht es letztlich um Liebe, aber es stellt sich immer die Frage, was sie darunter verstehen. Daß es nicht leicht ist, diese Frage zu beantworten, zeigt etwa das gebrochene Verhältnis des Christentums zum Eros.

Ich möchte ihnen die drei Formen der Liebe anhand von klassischen Quellentexten unter jeweils drei Aspekten entfalten: die Charakteristika der jeweiligen Liebesform, deren Bedeutung für das Geschlechterverhältnis und die religiöse Dimension. Ich beginne mit der Freundschaft.


Die Philia
1.
Unter den antiken Philosophen hat sich Aristoteles ausführlich mit der Freundschaft beschäftigt und zwar in seiner „Nikomachischen Ethik“. Sie sehen schon an der Plazierung des Themas, nämlich in einem Buch über die Ethik, daß Freundschaft im wesentlichen eine ethische bzw. moralische Kategorie darstellt. Viele Züge dessen, wie Aristoteles die Freundschaft charakterisiert, sind bis heute gültig geblieben. Er schreibt:

„Vollkommene Freundschaft ist die der trefflichen Charaktere und an Trefflichkeit [Tugend: areteé] einander Gleichen. Denn bei dieser Freundschaft wünschen sie einer dem anderen in gleicher Weise das Gute, aus keinem anderen Grund als weil sie eben trefflich sind ... . ... und hier erhält jeder in jeder Hinsicht das, was er gibt, in derselben oder in ähnlicher Form von anderen zurück, wie es bei Freunden ja sein soll. ... Solche Freundschaft ist natürlich selten, denn Menschen dieser Art gibt es nur wenige. Ferner braucht sie auch Zeit und gegenseitiges Vertrautwerden.“_

In diesem kleinen Abschnitt werden bereits wichtige Momente genannt, die eine Freundschaft ausmachen: zunächst die „Trefflichkeit“ bzw. Tugend. Heute würden wir vielleicht sagen: eine hochstehende, an Werten orientierte Gesinnung. Demnach ist Freundschaft eine Verbundenheit in gemeinsamen Werten und Überzeugungen. Sodann: In einer Freundschaft wünschen beide einander in gleicher Weise das Gute, und das heißt, daß eine Freundschaft von gegenseitigem Wohlwollen getragen ist und zum Beispiel keinen Neid kennt. Weiters kommt die Gleichheit zum Ausdruck, eine Mutualität, eine Wechselseitigkeit von Geben und Nehmen; es gibt kein Gefälle. Und umgekehrt: Wo eine Gefälle besteht wie etwa zwischen Eltern und Kindern oder Lehrenden und Lernenden, kann es keine Freundschaft geben. Das schließt freilich nicht aus, daß später, wenn die Kinder erwachsen sind, das Verhältnis zu den Eltern freundschaftliche Züge annehmen kann.

Entscheidend für die Freundschaft sind die gemeinsamen Werte, was in der Jugend mit gemeinsamen Interessen beginnt, die allerdings flüchtig bleiben, sich aber später auch zu gemeinsamen Überzeugungen wandeln können. Es gibt Interessensgemeinschaften, die wechseln, wenn die Interessen wechseln, und eben Freundschaften als Überzeugungsgemeinschaft, die lange, womöglich ein Leben lang stabil bleiben. Das Motiv des gegenseitigen Wohlwollens bringt – viel später – auch Immanuel Kant zum Ausdruck:

„Freundschaft (in ihrer Vollkommenheit betrachtet) ist die Vereinigung zweier Personen durch gleiche wechselseitige Liebe und Achtung. – Man sieht leicht, daß sie ein Ideal der Teilnehmung und Mitteilung an dem Wohl eines jeden dieser durch den moralisch guten Willen Vereinigten sei, und, wenn es auch nicht das ganze Glück des Lebens bewirkt, die Aufnahme desselben in ihre beiderseitige Gesinnung die Würdigkeit enthalte, glücklich zu sein, mithin daß Freundschaft unter Menschen Pflicht derselben ist.“_

Kant betont zusätzlich noch die Achtung, den gegenseitigen Respekt, der zu einer Freundschaft auch dann gehört, wenn man trotz aller gemeinsamer Überzeugungen nicht immer einer Meinung ist. Die Achtung verhindert, was in engeren Beziehungen, besonders im Geschlechterverhältnis, eine Gefahr darstellt, nämlich das Verschmelzen, die Erwartung, völlig eins zu werden, nur noch das Gleiche zu fühlen und zu denken. Dies widerspricht einer echten Freundschaft, die die Eigenständigkeit der einzelnen Person bewahrt und schützt und Differenzen zulassen kann, ohne daß die Beziehung zerbricht. Unter Pflicht versteht Kant nicht einen äußeren Zwang, als könnten wir uns selbst oder andere zur Freundschaft nötigen. Pflicht ist für ihn der Gegensatz zur Neigung, jenem flüchtigen Gefühl unmittelbarer Sympathie oder Antipathie. Insofern beruht auch für Kant die Freundschaft auf gemeinsamen Überzeugungen und erhält dadurch eine Stabilität, die Differenzen akzeptieren kann, solange die gemeinsamen Grundhaltungen nicht zur Disposition gestellt werden. Ähnlich formuliert auch Hegel:

„Freundschaft ist ein mit der Besonderheit behaftetes Verhältnis, und Männer sind Freunde nicht so sehr direkt als vielmehr objektiv in einem substantiellen Bande, in einem Dritten, in Grundsätzen, Studien, Wissenschaft, kurz das Band ist ein objektiver Inhalt, nicht Zuneigung als solche ... .“_

Bei Hegel klingt nun allerdings ein Motiv an, das sich von der Antike an durch die gesamte Tradition zieht und auch heute eine verbreitete Auffassung darstellt: Freundschaft sei eine Sache nur unter Männern, und Freundschaften zwischen Frauen oder gar zwischen Männern und Frauen seien völlig unmöglich. Das hat seinen Grund darin, daß die Geschlechterbeziehung auf den Eros beschränkt wird und die Frauen aus dieser männlichen Perspektive Gegenstand des Begehrens sind, was sie – angeblich – notwendig zu Rivalinnen macht. Eros meint in diesem Zusammenhang das sexuelle Begehren, was noch einmal ein eingeschränktes Verständnis bedeutet, wie ich Ihnen noch zeigen werde. Das hat auch Kant in ein Dilemma gebracht, das er nicht lösen konnte: Auf der einen Seite sieht er alle Menschen, auch die Beziehung zwischen den Geschlechtern, dem kategorischen Imperativ verpflichtet, der lautet: Benutze andere niemals bloß als Mittel zu einem Zweck. Auf der anderen Seite sieht er den sexuellen Trieb, der geneigt macht, einander sehr wohl als Mittel zum Zweck, nämlich des Lustgewinns zu gebrauchen. Die Lust nennt Kant eine List der Natur zum Zwecke der Erzeugung von Nachkommenschaft, so daß letztlich die Natur selbst gegen den kategorischen Imperativ verstößt, und machtvoll genug ist, Menschen zu einem solchen Verstoß zu verleiten. Da die Freundschaft eine moralische Kategorie darstellt und somit dem kategorischen Imperativ folgt, wird sie für die Männerwelt reserviert.

Freundschaft als Männerreservat - das gilt leider auch für das schönste biblische Zeugnis der Freundschaft, für die Freunde David und Jonathan. Jonathan ist der Sohn des Königs Saul, David dessen Feldherr. Da David als Feldherr erfolgreicher ist als der König selbst, entsteht eine Rivalität zwischen beiden, und Jonathan gerät in einen Loyalitätskonflikt zwischen Vater und Freund. Aber er läßt seinen Freund David nicht fallen, sondern hilft ihm, wo er kann, wenn es sein muß, heimlich hinter dem Rücken des Vaters, um den Freundschaftsbund nicht zu brechen:

„Und Jonathan schloß einen Bund mit David, weil er ihn liebhatte wie sein eigenes Leben. Und Jonathan zog den Mantel aus, den er anhatte, und gab ihn David, auch seine Rüstung und sogar sein Schwert, seinen Bogen und seinen Gürtel“ (1 Sam 18, 3-4).

Die Freundschaft wird durch einen Ritus besiegelt, in dem der eine sich dem anderen gibt, symbolisiert durch Dinge, an denen sein Herz hängt. Als dann Saul und sein Sohn Jonathan in einem Krieg fallen, singt David ein Lied auf seinen Freund, und eine Zeile darin lautet:

„Es ist mir leid um dich, mein Bruder Jonathan, du warst mir so hold! Deine Liebe war mir köstlicher als Frauenliebe“ (2 Sam 1,26).

Auch hier wieder die unterschiedliche Gewichtung: die Männerfreundschaft steht über der Frauenliebe. Ich komme darauf noch einmal zurück.

Auch eine Freundschaft bedeutet nicht automatisch ewige Harmonie. Freunde und Freundinnen können etwas falsch machen in dem Sinne, daß sie etwas sagen oder tun, das ich nicht gut heiße. Dann stellt sich die Frage: Wie damit umgehen, wenn ein sehr vertrauter, eng verbundener Mensch den Wertekonsens, die gemeinsame Überzeugungsbasis verletzt. Matthias Claudius hat sich mit dem Problem beschäftigt und rät:

„Hat dein Freund an sich, was nicht taugt, so mußt du ihm das nicht verhalten und es nicht entschuldigen gegen ihn. Aber gegen den dritten Mann mußt du es verhalten und entschuldigen. ... du mußt deinen Freund mit allem, was an ihm ist, in deinen Arm und in deinen Schutz nehmen. ... Etwas Sinnlichkeit und Parteilichkeit für den Freund scheint mir zur Freundschaft in dieser Welt zu gehören.“

Offenheit und Kritik nach innen gehören also zur Freundschaftspflicht, Verteidigung nach außen zum Schutz des freundschaftlichen Binnenraums. Der umgekehrte Fall, nämlich sich der von außen kommenden Kritik anschließen, aber innerhalb der Freundschaftsbeziehung zu verschweigen, was einen stört, wäre Verrat an der Freundschaft.

Daß Freundschaft übrigens auch etwas mit Sinnlichkeit zu tun hat und sich die Grenze zum Eros nicht in starrer Weise ziehen läßt, wird ebenfalls aus dem Zitat von Matthias Claudius deutlich. Aber in einer sexualisierten Gesellschaft wie der unseren, die Liebe nicht in ihren unterschiedlichen Ausdrucksformen unterscheiden kann, bringt das ein Problem mit sich. Denn der sinnliche Ausdruck wie Kuß und Umarmung gilt dann schnell als Indiz für eine homosexuelle Beziehung. Gegenüber solchen vorschnellen Urteilen ist Vorsicht geboten.


2.
Die Freundschaft spielt auch in der Geschlechterbeziehung eine ganz entscheidende Rolle, denn gemeinsame Überzeugungen als Wertekonsens bilden eine stabile Basis, auch in Krisenzeiten. Eine solche Freundschaftsbeziehung geht weit über eine Interessengemeinschaft hinaus, die leider auch Tradition hat, wenn ein Mann die schöne und attraktive Frau sucht, mit der er Staat machen kann, oder wenn eine Frau den angesehenen Akademiker oder gut verdienenden Mann sucht, der ihr einen sicheren Platz an der Sonne bietet. In beiden Fällen geht das Interesse dahin, den Partner oder die Partnerin als Statussymbol, somit als Selbstbestätigung zu gebrauchen. Beruhen Beziehungen auf solchen oder auch anderen Interessen, sind sie nicht sehr stabil, denn Schönheit vergeht und Geld kann man heutzutage schneller verlieren, als man denkt.

Daher braucht auch eine Geschlechterbeziehung die Basis der freundschaftlichen Liebe als einer ethischen Kategorie, wodurch beide durch das vereint werden, woran ihr Herz hängt, wofür sie leben und vielleicht auch sterben. Das, wofür beide gemeinsam einstehen, kann auch ein bestimmter Glaube sein. Daß der Bruch der Treue so verletzend erlebt werden kann, läßt sich besser oder vielleicht erst wirklich verstehen, wenn man von der Freundschaft als Basis auch der Geschlechterbeziehung ausgeht, denn der Treuebruch ist dann der Verrat an den gemeinsamen Überzeugungen. Dann können auch in der Geschlechterbeziehung biblische Worte wie diese eine unmittelbare Bedeutung bekommen: „Selbst mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot aß, tritt mich mit Füßen“ (Psalm 41,10; vgl. Psalm 55).

Zur Trennung kann es durch Verlust der Freundschaft kommen, wenn plötzlich oder langsam zu einem Mann, einer Frau außerhalb der eigenen Beziehung ein engeres Vertrauen aufgrund stärkerer gemeinsamer Überzeugungen entsteht, als dies innerhalb der Beziehung der Fall ist. Dafür mag es unterschiedliche Gründe geben: Wenn sich die Überzeugungen wandeln und man sich darüber nicht verständigt; Verrat an der Freundschaft, wenn Kritik von außen auf fruchtbaren Boden fällt, aber die Kritik nach innen unterlassen wird; wenn die Beziehung nur auf Interessen beruht, und beide nach einiger Zeit merken, daß sie nichts verbindet, wofür sie gemeinsam einstehen wollen; wenn die Achtung verloren geht, weil zu starke Verschmelzungstendenzen bestehen. Aber alle diese Formen des Scheiterns sind letztlich ein Hinweis auf die Bedeutung der freundschaftlichen Liebe auch für die Geschlechterbeziehung.


3.
Beruht die Freundschaft auf gemeinsamen Überzeugungen, dann kann auch der Glaube eine solche gemeinsame Überzeugungsbasis bilden. Zwar kommt das Wort Freundschaft in der Bibel kaum vor, aber es gibt eine Reihe von Beispielen, die zeigen, daß die Verbundenheit im gemeinsamen Glauben stärker ist als die familiären Bande. So wird zum Beispiel im Markusevangelium erzählt:

„Und es kamen seine Mutter und seine Brüder; und als sie draußen standen, schickten sie zu ihm und ließen ihn rufen. Und das Volk saß um ihn her. Und sie sagten zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen suchen dich. Da antwortet er ihnen und sagt: Wer sind meine Mutter und meine Brüder? Und indem er ringsumher die um ihn Sitzenden ansieht, sagt er: Siehe, das sind meine Mutter und meine Brüder. Wer den Willen Gottes tut, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter“ (Markus 3, 31-35).

Bedenkt man, welchen großen Stellenwert die Familie damals hatte und in sippenorientierten Gemeinschaften heute noch hat, dann ist die Reaktion Jesu eine brüske Zurückweisung der unmittelbaren Verwandten. Statt dessen nennt er alle diejenigen Menschen Mutter und Brüder, die in der Gottesbeziehung stehen. Die Freundschaft, die aufgrund des gemeinsamen Glaubens unter Menschen entsteht und diese zur famila Dei, zur Gottesfamilie, verbindet, wird höher bewertet als die natürliche Familie. Dieses Motiv spiegelt sich im christlichen Partenamt, das an die Seite der natürlichen Familie tritt, so daß das Taufkind zwei Familien hat, eine leibliche und eine geistliche, die sich überschneiden können, aber nicht müssen.

Die Freundschaft ist, wie gezeigt, auf Gegenseitigkeit aufgebaut, so daß es zwischen FreundInnen kein Gefälle gibt. Daß auch die Liebe Gottes zu den Menschen freundschaftliche Züge hat, läßt sich an ein Text aus dem Johannesevangelium erkennen:

„Das ist mein Auftrag, daß ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe. Niemand hat größere Liebe als die, daß einer sein Leben hingibt für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, womit ich euch beauftragt habe. Ich nenne euch nicht mehr Knechte, denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich Freunde genannt, weil ich euch alles kundgetan habe, was ich von meinem Vater gehört habe“ (Joh 15,12-15).

Hier werden die Menschen als Freunde Gottes angesprochen, denn sie wissen, worum es geht, weil es ihnen gesagt wurde, und sie es sich haben sagen lassen. Daher sind in einem gemeinsamen ‚Wert‘, in einem gemeinsamen Lebensziel verbunden. Weiter sagt Jesus: Ich nenne euch nicht mehr Knechte, denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut; der Herr befiehlt einfach, und der Knecht muß es ausführen, ohne zu fragen warum. Aber hier wissen die Menschen, was Gott tut, hier ist der Gotteswille eine gemeinsame Sache, die die Freundschaft zwischen den Menschen begründet, weil sie schon davor in der Freundschaft zwischen Gott und Mensch begründet wurde.

Zum Vergleich noch einmal zurück zu Aristoteles, der Freundschaft unter Gleichen von Freundschaft unter Ungleichen unterscheidet:

„Eine andere Art der Freundschaft ist die, welche auf Überlegenheit (des einen Partners) beruht ... . Bei allen Freundschaften, welche durch das Übergewicht des einen Partners charakterisiert sind, muß auch der Grad der Zuneigung proportional sein, nämlich: der wertvollere Teil muß mehr Zuneigung empfangen als selber schenken ... .“_

Bei Aristoteles werden also Gleichheit oder Ungleichheit vorausgesetzt, und kann Gleichheit auch durch gemeinsame Überzeugungen nicht immer gestiftet werden. Daher kann es für ihn zwischen Herrn und Sklaven oder zwischen Mann und Frau keine Freundschaft geben.


Der Eros
1.
Mit dem Wort Eros verbinden wir meistens Vorstellungen, die sich genau genommen auf den Sexus, also die Sexualität beziehen. Der Begriff Sexualität gehört aber zum Bereich der Biologie und bezieht sich auf die Fortpflanzung auf der Basis der Zweigeschlechtlichkeit, die es auch unter Tieren und Pflanzen gibt. Was beide Geschlechter zueinander führt, ist der Trieb der Arterhaltung. Mehr sagt der Begriff Sexualität nicht aus.

Beim Menschen bekommt die Sexualität aber noch eine andere Dimension dadurch, daß wir mit einem ausgeprägten Bewußtsein ausgestattet sind. ‚Ich bin mir dessen bewußt‘, sagen wir in der Alltagssprache und drücken damit aus, daß wir innerlich vor Augen haben, was uns widerfahren ist oder was wir getan, gesagt oder gedacht haben. Darüber hinaus sind wir uns auch noch unserer selbst bewußt, das heißt wir wissen, daß wir dieses Bewußtsein haben, und wissen, was es mit uns macht. Damit werden alle Lebensbereiche, auch diejenigen, die der Sphäre der Biologie angehören, überschritten, transzendiert, also mit anderen seelischen und geistigen Dimensionen verbunden. Deshalb ist es für den Menschen nicht möglich, sich auf die biologische Ebene zu beschränken, um wie die Tiere die Arterhaltung zu praktizieren. Weil Menschen durch ihr Bewußtsein von anderer Art sind, können sie sich nicht auf ihre biologischen Funktionen reduzieren, und wenn sie es tun, werden sie nicht wie die Tiere, sondern unterschreiten sie das Niveau der Tiere, weil sie ihr eigenes Wesen unterschreiten, während die Tiere dem ihnen eigenen Wesen folgen.

Deshalb sind beim Menschen Sexus und Eros eng miteinander verbunden, wobei der Eros eben nicht nur den Trieb zur Arterhaltung bedeutet, sondern weitaus mehr umfaßt. Die Griechen haben dies mit einem Wortspiel zum Ausdruck gebracht: Setzt man vor das Wort Eros zwei weitere Buchstaben, nämlich p und t, dann ergibt sich das Wort Pteros, das ‚Flügel‘ heißt. Daraus wird kombiniert: Der Eros hat Flügel bzw. verschafft Flügel. In diesem Sinne ist der Eros eine Regung der Seele und des Geistes, eine Kraft, die die Menschen beflügelt, eine göttliche ‚Inspiration‘.

Der klassische Text über den Eros findet sich in Platons Dialog „Symposion“. Während es sonst in den Platonischen Dialogen Sokrates ist, der die Männerrunde belehrt, tritt diesmal ausnahmsweise eine Frau auf, die Sokrates eine Belehrung über den Eros erteilt: die Seherin Diotima aus Mantinea. Sie erzählt zunächst die Geschichte, wie der Eros entstanden ist, also einen Ursprungsmythos, der das Wesen des Eros erklären soll:

„Als Aphrodite geboren war, da hielten die Götter ein Festmahl, mit ihnen auch 'Wegfinder', der Klugheit Sohn. Wie nun das Mahl zu Ende war, kam, um beim Schmause zu betteln, die 'Armut' und stand an der Tür. Da ging Wegfinder, trunken vom Nektar ... hinaus in den Garten des Zeus und fiel alsbald in schweren Schlaf. In ihrer Mittel- und Ausweglosigkeit kam es nun der Armut in den Sinn, sich von dem Mann, der Mittel schafft und Wege findet, ein Kind zeugen zu lassen; so legte sie sich zu ihm und empfing den Eros.“_

Diese farbige mythologische Geschichte wird dann weiter philosophisch expliziert:

„Denn zum Schönsten zählt Weisheit, und Eros ist Liebe zum Schönen, so daß Eros weisheitsliebend sein muß; und als solcher steht er in der Mitte zwischen dem Weisen und dem Unwissenden. Dies ist ebenfalls ein Erbe seiner Eltern: er stammt ja von einem weisen Vater, der Mittel und Wege weiß, aber von einer unweisen Mutter, die mittellos und ohne Ausweg ist.“

Abgesehen vom Stereotyp, daß die Figur des Wegfinders männlich und die Figur der Ausweglosigkeit weiblich ist, faßt Diotima zusammen und bringt das Wesen des Eros auf den Punkt, „ ... daß Eros aus Mangel am Guten und Schönen eben das begehrt, was ihm fehlt.“

Eros meint also zunächst die begehrende Liebe. Dieses Begehren wird aber nicht durch den Reiz von begehrenswerten Objekten ausgelöst. Vielmehr sieht Platon den Eros als ein inneres Streben, das sich seine Objekte erst suchen muß. Dem widerspricht das Alltagsverständnis, denn wir gehen davon aus, daß es die Objekte sind, die unser Begehren reizen, ein Verständnis, das auch im christlichen Kontext sehr verbreitet ist. Zudem wird das Begehren meist negativ besetzt und mit der Aufforderung verbunden, alles Reizvolle wie auch den Kontakt mit dem anderen Geschlecht zu meiden, um das Begehren, das von diesen ‚Objekten‘ ausgehen könnte, mindestens zu drosseln. Platon hingegen versteht unter der begehrenden Liebe des Eros etwas ganz anderes, weshalb es gar nichts nützen würde, einem Menschen alle reizvollen Objekte wegzunehmen. Das Begehren kommt nicht aus einer äußeren, sondern einer inneren Quelle.

Weiters ist der Eros bei Platon positiv besetzt, denn er hat mit dem Schönen zu tun. Das Schöne, die Schönheit werden nun wiederum nicht bloß ästhetisch verstanden, und auch das widerspricht unserem Alltagsverständnis. Für Platon bedeutet Schönheit die Vereinigung des Getrennten. Alles, was im Leben getrennt ist, jede Disharmonie sind für ihn unschön; schön ist dem gegenüber alles Harmonische, von der Harmonie im Kosmos bis zur harmonischen Übereinstimmung zwischen Menschen, denn in der Harmonie gelangt das Getrennte zur Einheit. Alltagssprachlich gibt es Anklänge daran, wenn wir etwa sagen: ‚Schön, daß es dich gibt‘, oder wenn wir etwas ‚schön‘ nennen, das wir als gut und gelungen betrachten.

Als wichtiges drittes Moment wird bei Platon deutlich, daß der Eros immer danach strebt, den eigenen Mangel auszugleichen. Er sucht gerade das, was er selbst nicht hat. Der Mangel ist der entscheidende Anreiz dafür, daß der Eros seine beflügelnde Kraft entwickelt. Umgekehrt bedeutet dies: Solange ich den Mangel bei mir nicht wahrnehme, solange ich mich für vollkommen und autonom halte und meine, andere könnten mir ohnehin nichts geben, weil ich schon alles habe, kann sich der Eros nicht entwickeln, gibt es kein Sehnen und Streben und keine beflügelnde Liebe. Damit liegt im Eros ein Element realistischer Selbsteinschätzung und Selbstkritik verborgen: Wer sich der eigenen Grenzen nicht bewußt ist, kommt gar nicht auf die Idee, etwas zu suchen, das andere geben können, um beides zu einem Ganzen zu verbinden, das Platon das Schöne nennt. Der Eros hingegen bleibt immer bezogen auf ein anderes, kann also nur in einer Relation, einer Beziehung zu etwas anderem existieren.

Schließlich ist für die Platonische Eroslehre wichtig, daß der Eros immer nach Höherem strebt und damit einer Art Stufenleiter folgt:

„Denn dies ist der rechte Weg, zur Sphäre des Eros zu gelangen oder sich von einem anderen dahin leiten zu lassen: daß man, bei dem vielerlei Schönen hier beginnend, um jenes Schönen willen immer weiter emporsteigt wie auf Stufen – von einem schönen Leib zu zweien und von zweien zur Leibesschönheit allgemein, und von den schönen Leibern zu den schönen Handlungen, und von den Handlungen zu den schönen Erkenntnissen, bis man von den Erkenntnissen endlich zu jener Erkenntnis gelangt, die keine andere ist als die Erkenntnis jenes Schönen selbst ... .“

Der Ausdruck ‚platonische Liebe‘ für eine Beziehung ohne Sexualität kann nicht von Platon kommen, wie Sie aus dem Zitat sehen. Das leibliche Begehren spielt durchaus eine Rolle für jene griechischen Philosophen, denen damals allerdings die Knabenliebe wichtiger war als die Frauenliebe. Das hängt wieder mit dem Gefälle im Geschlechterverhältnis zusammen, von dem im Abschnitt über die Freundschaft bereits die Rede war. Jedenfalls gehört zum Eros auch die leibliche Verbindung, wenngleich nur auf der untersten Stufe.

Was Platon die „schönen Handlungen“ nennt, gehört bereits zur nächsten Stufe auf dem Weg des Eros. Mit schönen Handlungen meint er gute, ethisch hochstehende Handlungen, die einer guten Gesinnung und einer tugendhaften, ‘schönen‘ Seele entspringen. Hier kommen wir wieder zum Thema der Freundschaft, freilich aus der Perspektive des Eros: Der Eros begehrt die schöne Seele, die geben kann, was ich mir selbst nicht nehmen kann.

Der Weg des Eros führt aber noch weiter bis zum Begehren der Erkenntnis. Auch das setzt wieder einen Mangel voraus, daß ich zunächst nicht weiß, nicht durchschaue, was mir da widerfährt und worum es geht, und daß ich mir das eingestehen kann. Dann tritt der Eros auf den Plan, weckt die Lust an der Erkenntnis und führt nach Platon schließlich zur Schau des Ganzen, zur Einheit mit dem Göttlichen. An diesem Punkt unterscheidet sich der Eros wesentlich von der Agape, worauf ich noch zu sprechen komme.

Als begehrende Liebe ist der Eros also auf drei Dimensionen bezogen: auf die leibliche in der Sehnsucht nach der Vereinigung mit einem anderen Leib, auf die ethische in der Sehnsucht nach der Verbindung mit einer anderen Seele und auf die geistige in der Sehnsucht nach der Verbindung mit dem Göttlichen, die in der Erkenntnis des Ganzen gipfelt. Für Platon sind allerdings die ersten beiden Stufen nur ein Durchgangsstadium auf dem Weg zur letzten und entscheidenden Stufe. In diesem Zusammenhang entspricht dann der Ausdruck ‚platonische Liebe‘ unserem sprichwörtlichen Verständnis.


2.
Auch für die Geschlechterbeziehung lassen sich aus der Platonischen Eroslehre einige Erkenntnisse gewinnen, zunächst: Der Eros ist umfassender als ein sexueller Reiz, der von einem ‚Objekt‘ ausgeht. Dies hat Platon an einer anderen Stelle im „Symposion“ formuliert und dem Pausanias in den Mund gelegt, der vom Sexus als einer ‚gemeinen‘ Form von Eros spricht:

„Nun gibt es aber nicht nur einen [Eros], und weil es nicht nur einen gibt, ist es richtiger, zuvor zu bestimmen, welchen es zu loben gilt. ... [Der andere] ist wahrlich allen gemein und wirkt wahllos; ihm sind die gemeinen Leute ergeben. ... [sie] richten ihre Begehren mehr auf die Körper als auf die Seelen, obendrein lieben sie möglichst die Dümmsten, weil sie ja nur darauf aus sind, rasch Befriedigung zu finden, unbekümmert darum, ob es in schöner Form geschieht oder nicht. So kommt es, daß sie alles tun, wie es sich gerade anbietet, das Gute ebenso wie das Gegenteil.“

Wichtiger aber noch ist, daß der Eros das Pochen auf die Autonomie des einzelnen als Illusion entlarvt, die, wenn sie gepflegt wird, in Beziehungslosigkeit und Einsamkeit endet. Wenn eines von beiden meint, in sich selbst zu ruhen, an nichts Mangel zu leiden, alles zu haben und zu wissen, nichts und niemandes bedürftig zu sein, dann erstickt der Eros im Keim noch ehe er sich entfaltet hat. Dann gibt es keine Sehnsucht nach dem oder der anderen, die, solange sie lebendig ist, beide dauerhaft verbinden kann. Wenn etwa ein Mann meint, er sei die autarke ‚Krone der Schöpfung‘ und allen Frauen überlegen, dann tötet er den Eros. Wenn eine Frau meint, sie sei für sich ‚ganz, gut und schön‘ (so eine Form feministischer Haltung) oder habe an ihren Kindern genug, dann tötet sie den Eros. Diese Art der ‚Selbstgenügsamkeit‘ stutzt dem Eros die Flügel, weil niemand mehr irgend etwas begehrt oft auch aus Angst, von anderen abhängig zu werden. Eine solche Abhängigkeit entsteht aber nur auf der Basis jener ‚Selbstgenügsamkeit‘, weil der immer vorhandene Mangel durch die Illusion der Autonomie unbewußte Abhängigkeiten schafft. Die Angst davor ist berechtigt, während das Eingeständnis des Mangels – allerdings dann – auf beiden Seiten die erotische Kraft freisetzen kann.

Schließlich ist von Bedeutung, daß der Eros in einer Geschlechterbeziehung auf allen drei Ebenen gelebt wird, einschließlich der Lust an der Erkenntnis, um alle Dimensionen zu erfassen, die zu einer menschlichen Existenz gehören. Denn problematisch an der Platonischen Eroslehre bleiben zwei Momente: zum einen die Stufenfolge, die eine deutlich Wertung zu Ungunsten der Leiblichkeit enthält; zum anderen das Ziel, letztlich alle Differenzen, den Mangel und die Sehnsucht, etwas zu empfangen, in einer höheren Einheit aufzuheben. Für eine lebendige erotische Geschlechterbeziehung bleibt hingegen wichtig, daß alle drei Stufen als drei gleich bedeutsame Ebenen ihr gleiches Gewicht behalten, und daß die beiden Beziehungspartner nicht miteinander verschmelzen, ihre Mängel nicht in einer höheren Einheit aufheben, um die begehrende Liebe auf diese Weise zum Stillstand zu bringen.


3.
Für die monotheistischen Religionen, schon für das Judentum, war der Eros von Anfang an ein Problem und zwar zunächst deshalb, weil die polytheistischen Religionen den Eros heilig gesprochen haben. Eros und Fruchtbarkeit waren eng miteinander verknüpft und die Fruchtbarkeit galt als eine göttliche, verehrungswürdige Naturkraft. Demgegenüber umfaßt die Beziehung zum persönlichen Gott in den monotheistischen Religionen mehr als nur die Natur, nämlich auch die Geschichte

Für die monotheistischen Religionen besteht daher die Gefahr der Profanisierung des Eros, was besonders auf den Protestantismus zutrifft. Hat der Eros mit dem Heiligen nichts mehr zu tun, folgt daraus die Reduktion der Erotik auf den Sexus bzw. auf die Fortpflanzung als biologische Intention der Sexualität. Die Geschlechterbeziehung wird dabei allerdings schon in den größeren Zusammenhang der Mitmenschlichkeit gestellt und mit der Caritas als der fürsorgenden Liebe verbunden. Fortpflanzung und Mitmenschlichkeit sind für das christliche Eheverständnis bestimmend geworden, der Eros blieb verdächtig.

Dennoch gibt es schon in der jüdischen Weisheitsliteratur einen Strang, der einen Aspekt des Eros, nämlich die Lust an der Erkenntnis, positiv aufgreift wie z.B. in Weisheit 6, 17-20:

„Ihr [der Weisheit] Anfang ist ein ganz aufrichtiges Verlangen nach Belehrung [Bildung]. Sorge [eifriges Bemühen] um Belehrung ist aber schon Liebe. Liebe aber ist Beobachtung ihrer Gebote, Achten auf die Gebote aber ist Sicherung der Unsterblichkeit. Unsterblichkeit aber bringt in Gottes Nähe. So führt das Streben nach Weisheit zu königlicher Würde.“

Noch deutlicher rehabilitieren manche der griechischen Kirchenväter wie etwa Gregor von Nyssa den Eros, indem sie ihn sogar für die Darstellung der Beziehung zwischen Gott und Mensch als symbolisierungsfähig erachten, wobei sie sich dazu freilich auf das Hohelied der jüdischen Bibel berufen können:

„Die menschliche Natur vermag diese Überfülle (die die göttliche Liebe ist) nicht auszudrücken. So hat sie, damit wir ihre Lehre besser verstehen, diejenige Leidenschaft als Symbol gewählt, die sich in uns von allen Leidenschaften am heftigsten regt, nämlich die Leidenschaft der Liebe (eros), auf daß wir daraus die Lehre ziehen: daß die Seele, die ihre Augen fest auf die unerreichbare Schönheit des göttlichen Wesens gerichtet hält, in dieses verliebt ist, so wie der Leib eine Zuneigung fast zu dem, was ihm gleicht, und die Leidenschaft leidenschaftslos werden läßt; und wenn alle fleischliche Lust erloschen ist, brennt unsere Seele voller Liebe (eros) in uns, entzündet allein an der Flamme des Geistes.“_

Auch das platonische Motiv der Verbindung von Eros und Schönheit findet sich in diesem Text, allerdings in einer sehr spiritualisierten Form, einer Leidenschaft für die Askese. Es ist allerdings eine Askese um des Himmelreiches willen, also für etwas Begehrtes, und keine Abwehraskese gegen etwas, das als schmutzig und erniedrigend angesehen würde, was sich in der christlichen Tradition freilich häufiger findet.


Die Agape (Caritas)
1. und 3.
Der profane Sprachgebrauch von Agape als liebevolle Aufnahme und Fürsorge im Sinne der Gastfreundschaft wird im Christentum zu einem theologischen Schlüsselbegriff: Aus Liebe hat Gott die Welt und die Menschen erschaffen, aus Liebe hat er diesen die ethische Weisung gegeben, aus Liebe ist er ein Mensch unter Menschen geworden. Deshalb sind die Charakteristika der Agape (1) schon mit der religiösen Dimension (3) verbunden. Als das christliche Hohelied der Liebe gilt 1 Kor 13 aus der Feder des Paulus:

„Wenn ich [die Gabe der] Rede aus Eingebung habe und alle Geheimnisse weiß und alle Erkenntnis und wenn ich allen Glauben habe, so daß ich Berge versetzte, habe aber die Liebe (agape) nicht, so bin ich nichts. ...
Die Liebe ist langmütig, sie ist gütig; die Liebe eifert nicht, die Liebe prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf, sie tut nichts Unschickliches, sie sucht nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht an; sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber mit der Wahrheit, sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles. Die Liebe vergeht niemals.
Seien es aber Reden aus Eingebung, sie werden abgetan werden; seien es Zungenreden, sie werden aufhören; sei es Erkenntnis, sie wird abgetan werden. Denn unser Erkennen ist Stückwerk ... . Wenn aber das Vollkommene kommen wird, dann wird das Stückwerk abgetan werden. ...
Denn wir sehen jetzt [nur wie] mittels eines Spiegels in rätselhafter Gestalt, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt ist mein Erkennen Stückwerk, dann aber werde ich völlig erkennen, wie ich auch völlig erkannt worden bin. Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; am größten aber unter diesen ist die Liebe“ (1 Kor 13, 2. 4-13).

Dieser Text wird immer wieder als moralische Aufforderung mißverstanden, alles zu erdulden und sich selbst völlig preiszugeben. Aber Paulus sagt nicht an unsere Adresse: Duldet alles, sondern spricht von „der Liebe“, also vom Wesen der Liebe, genauer: vom Wesen der göttlichen Liebe, denn nur von dieser läßt sich sagen, daß sie niemals vergeht. Die menschlichen Dinge, die menschliche Erkenntnis, auch die menschliche Liebe, bleiben hingegen Stückwerk, so heißt es weiter. In dieser Welt nehmen wir die göttliche Liebe nur wie in einem Spiegel wahr, als Vorschein der vollkommenen Liebe, die im Gottesreich am Ende der Tage alles bestimmen wird, weshalb Paulus die Liebe das Größte nennt, während Glaube und Hoffnung wichtige, aber nur menschliche Haltungen darstellen.

Die vollkommene göttliche Liebe ist für die Menschen zwar nicht erreichbar, will aber dennoch eine Orientierung für unser Handeln sein. Allerdings wiederum nicht als Aufforderung im Sinne einer profanen moralischen Ermahnung, sondern als Folge einer Glaubenserkenntnis. Diese Verbindung von Erkenntnis und Liebe wird vor allem bei Johannes deutlich und beinhaltet ein Element des Eros:

„Und daran erkennen wir, daß wir ihn erkannt haben, wenn wir seine Gebote halten. Wer sagt: Ich habe ihn erkannt, und hält [doch] seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in ihm ist die Wahrheit nicht“ (1 Joh 2, 3-4).

Aus dem Glauben, aus der lebendigen Beziehung, der Liebe zu Gott folgen die Werke der Liebe, die dann gerne und freiwillig getan werden. Daher sind umgekehrt mangelnde Werke der Liebe als Caritas ein Zeichen dafür, daß es am Glauben fehlt. Dies bringt auch Jak 2, 14-17 zum Ausdruck:

„Was hilft es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, aber keine Werke hat? ... Wenn ein Bruder oder eine Schwester unbekleidet sind und an der täglichen Nahrung Mangel leiden und jemand von euch sagt zu ihnen: Geht hin in Frieden; kleidet euch warm und eßt euch satt! – ihr gebt ihnen aber nicht, was für den Leib nötig ist, was hilft das? So ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, in sich selbst tot.“

Ohne den inneren Bezug zum Glauben und auf eine bloße moralische Ermahnung reduziert, wird die Agape zu einem äußeren Zwang zum Altruismus, in dessen Rücken sich dann oftmals ein unbewußter Egoismus Ausdruck verschafft, was als Helfersyndrom bezeichnet wird: die Herrschaft der Helfenden über die Hilflosen. Die Gefahr einer so verstandenen Agape besteht in der Verleugnung der menschlichen Bedürfnisse, die auf das eigene gelingende Leben ausgerichtet sind. Diese Bedürfnisse werden im Christentum nicht zurückgewiesen, aber in den Bereich des Vorletzten, nicht des Letztgültigen gestellt:

„Die Zeit ist kurz; damit künftig auch die, welche Frauen haben, so seien, als hätten sie keine, und die Weinenden, als weinten sie nicht, und die Fröhlichen, als freuten sie sich nicht, und die Kaufenden, als behielten sie es nicht, und die die Dinge der Welt benützen, als nützten sie sie nicht; denn die Gestalt dieser Welt vergeht“ (1 Kor 7, 29-31).

Wer die Welt so sieht und erlebt, muß nicht mehr krampfhaft an den eigenen Bedürfnissen festhalten, sondern kann zu einer Gelassenheit gelangen, die imstande ist, bei sich selbst und bei anderen auch mit einer unvollkommene Liebe zu leben. Dennoch bleibt die Sehnsucht nach der Vollendung, wie wir sie in der Platonischen Eroslehre kennengelernt haben, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: In diesem Leben bleiben uns die Schau und die Vereinigung mit dem Göttlichen verwehrt, aber es bleiben uns der Glaube und die Hoffnung darauf:

„Denn wir wissen, daß wir, wenn unsere irdische Zeltwohnung abgebrochen sein wird, einen Bau haben, den Gott bereitet hat, ein nicht mit Händen gemachtes, ewiges Haus in den Himmeln. Denn deshalb seufzen wir auch, indem wir uns sehnen, mit unserer Behausung aus dem Himmel überkleidet zu werden ... . Der uns aber dazu bereitet hat, ist Gott, der uns den Geist als Angeld gegeben hat. Wir sind nun allezeit mutig und wissen, daß wir, während wir im Leibe daheim sind, wir fern vom Herrn auf der Wanderung sind – denn im Glauben wandeln wir, nicht im Schauen“ (1 Kor 5,1-2.5-7).

Eros und Agape sind in der christlichen Theologie häufig in einen Gegensatz gebracht worden wie z.B. von Anders Nygren mit folgenden Argumenten: Der Eros sei wertbezogen, also motiviert durch den Wert eines Menschen, da er nur das Schöne und Gute liebe; er sei egozentrisch, wolle haben und besitzen; er fliehe die Welt, weil er nach dem Göttlichen strebe, gehe daher von ‚unten‘ nach ‚oben‘, suche und finde den Weg zum Göttlichen. Die Agape hingegen sei wertindifferent, weil nicht motiviert durch den Wert eines Menschen, vielmehr verleihe sie selbst dem Menschen Wert; sie wolle nicht haben, sondern geben, gehe daher von ‚oben‘ nach ‚unten‘, werde geschenkt und empfangen.

Aber wie an den biblischen Texten gezeigt, bilden beide Formen der Liebe keinen so schroffen Gegensatz. Denn auch vom Eros läßt sich sagen: Sein Wertbezug gibt auch Anstoß zu einer Umkehr zu einem wertvollen, würdigen Leben und dazu, niedere Bedürfnisse loszulassen; was vordergründig als Besitzenwollen und Egozentrismus erscheint, zeigt sich bei näherem Hinsehen als Bedürftigkeit, da der Eros sucht, was er selbst nicht hat, womit er auf den anderen bezogen bleibt; auch die erotische Liebe vollzieht sich im Schenken und Empfangen; umgekehrt rechnet auch die Agape damit, daß Menschen ihren Egozentrismus nie völlig überwinden können („liebe ... wie dich selbst“); auch die Agape bleibt nicht völlig unmotiviert davon, wie Menschen ihr Leben führen, oder von deren spiritueller Suche und geistlicher Übung, wodurch Menschen nach ‚oben‘ streben, indem sie die Nähe Gottes suchen; und schließlich kennt auch die Agape die Weltdistanz und die Sehnsucht nach der himmlischen Heimat.

Dennoch gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen diesen beiden Formen der Liebe, den ich im Ziel sehe: Der Eros strebt nach dem Einen, nach der Vereinigung mit dem Göttlichen, nach der Aufhebung aller möglichen Differenzen schon hier in diesem Leben. Die Agape stellt nun dem Begehren des Eros nicht den totalen Selbstverzicht gegenüber, sondern bleibt realistisch: Eine ungebrochene Erfüllung des Begehrens gibt es in dieser Welt nicht, Mangel und Differenzen bleiben, weil die Grunddifferenz aufrecht bleibt, nämlich die zwischen Gott und Mensch. Damit bleibt auch das Wechselspiel zwischen mir und anderen Menschen aufrecht als Wechselspiel zwischen Begehren und einem unverfügbaren Beschenktwerden. Das Begehren gehört zur conditio humana und läßt sich nur zugleich mit dem Leben ersticken. Aber die Frage, wohin das Begehren führt, läßt sich nur durch die Antwort auf eine weitere Frage beantworten, nämlich ob ich für das, was mir gegeben wurde, danken kann:

„Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird“ (1 Tim 4,4).


2.
Für die Geschlechterbeziehung hat die Agape eine zweifache Bedeutung: Zum einen bleiben unter den Bedingungen der Endlichkeit Leid, Krankheit und Altern nicht aus, die die körperliche Attraktivität, aber auch die seelische Stimmungslage und die geistige Kapazität, mithin alle Aspekte des Eros beeinträchtigen können. Ohne Agape, also ohne fürsorgende und helfende Liebe, die auch vor einen leidenden und entstellten Menschen nicht zurückscheut, wird eine Beziehung unmenschlich. Dann reicht der Eros allein nicht aus, wenn man bedenkt, daß es bei Platon auch ausdrücklich heißt: „Sie [Natur als Leib, Seele und Geist] vermag jedoch nicht im Häßlichen, sondern nur im Schönen zu zeugen.“ Die Agape hingegen gründet im Bewußtsein des gemeinsamen Ursprungs aller Menschen, ob schön oder häßlich, in Gottes Schöpfung, die uns zur Verantwortung übergeben ist.

Zum anderen erkennt die Agape, daß eine ungebrochene Erfüllung des Begehrens in dieser Welt nicht möglich ist. Dadurch kann Barmherzigkeit wachsen gegenüber dem bleibenden Mangel bei anderen, aber auch bei mir selbst. Der Eros macht es möglich, den Mangel einzugestehen, aber er will ihn durch weitere Schritte auf dem Weg zur Vollendung beheben. Die Agape weiß, daß sich der Mangel nicht beheben läßt, und macht es möglich, ihn auszuhalten. Viele Beziehungen scheitern an der gegenseitigen Erwartung, der oder die andere werde sich schon noch bessern, störende Eigenschaften schon noch ablegen, sich schon noch zu dem Idealbild wandeln, das ich von ihm oder ihr habe. Die Agape hingegen pflegt keine Idealbilder, sondern übt Barmherzigkeit gegenüber allen Geschöpfen. Und wenn Menschen sich wandeln, dann deshalb, weil ihnen diese Barmherzigkeit widerfährt.


Zusammenfassung

Philia, Eros und Agape – diese drei Formen der Liebe habe ich Ihnen in der jeweiligen Eigenart vorgestellt. Was sich auf diese Weise theoretisch unterscheiden läßt, kommt aber in der Praxis des konkreten Lebens zusammen. Die Beziehung zwischen den Geschlechtern wird um so stabiler, aber auch lebendiger sein, je mehr Facetten der Liebe gelebt werden und je aufmerksamer beide Seiten wahrnehmen, welche Facette welcher Situation angemessen ist. Die drei Formen der Liebe können einander auch vor den Gefahren schützen, die eine Beziehung bedrohen, wenn diese nur auf einer der drei Formen aufbaut, die je für sich genommen und von den anderen im Stich gelassen, auch ihre Untugenden entfalten können. Von daher gibt es auch kein Gefälle zwischen ihnen und sind sie nicht mit Macht und Unterwerfung verbündet. Philia, Eros und Agape brauchen einander und müssen einander korrigieren, weil sie sich auf drei unterschiedliche Dimensionen des Menschen beziehen: auf die Moralität, das Begehren und den Glauben. Wer die drei Formen der Liebe voneinander trennt, zerreißt den Menschen. Diese drei Formen zusammenzuhalten, bleibt eine lebenslange Aufgabe.



_ Aristoteles, Nikomachische Ethik, VIII, 4.5
_ Immanuel Kant, Metaphysik der Sitten, II, §§46-47.
_ Hegel, Werke, hg. von H. Glockner, XIII: 125.
_ Matthias Claudius, Werke (Hesse und Becker): 225f.
_ Aristoteles, Nikomachische Ethik, VIII,4.5
_ Dieses Zitat und alle folgenden Zitate von Platon aus: Symposion, 203b ff.; 180c ff.; 206c.
_ Gregor von Nyssa, Oratio I, 773B-C, in: In Canticum Canticorum (Auslegung des Hohenliedes),
Gregorii Nysseni Opera, H. Langerbeck (Hg.), Leiden 1960.

_ Vgl. dazu Wolfgang Schmidbauer, Die hilflosen Helfer. Über die seelische Problematik der
helfenden Berufe, Hamburg 1977; überarbeitete Neuausgabe: Helfen als Beruf, Hamburg 1999.

_ Anders Nygren: Eros und Agape. Gestaltwandlungen der christlichen Liebe, Gütersloh
Holland, Mitte des 17. Jahrhunderts - das Goldene Zeitalter der Niederländischen Malerei und kulturelle Blütezeit des Landes. Zu den großen Namen dieser Ära gehört auch der von Johannes Vermeer (COLIN FIRTH), der um 1665 mit seinen Kindern, Ehefrau Catharina (ESSIE DAVIS) und Schwiegermutter Maria Thins (JUDY PARFITT) ein prunkvolles Haus im Zentrum der Stadt bewohnt. Dies wird von der Magd Tanneke (JOANNA SCANLAN) und der Hausherrin mehr schlecht als recht in Ordnung gehalten. Die Kinder verbreiten ständige Unruhe, der der hochsensible Vermeer in sein Atelier im ersten Stock entflieht, um dort hinter verschlossenen Türen mit perfektionistischem Drang seine Auftragsarbeiten zu erstellen. Eine Welt, in die seine Familie keinen Zutritt findet.

Hier soll die 17-jährige Griet ein neues Zuhause finden: Nachdem ihr Vater bei einem Unfall erblindet ist, muss sie ihre Familie unterstützen und nimmt im Hause Vermeer eine Stelle als Magd an. Bei ihrer Ankunft wird sie von Tanneke durch die düsteren Räume geführt, bekommt ihren Schlafplatz im Keller zugewiesen und die strikte Anweisung, das Atelier des Meisters niemals in dessen Anwesenheit zu betreten. Zu Griets täglichen Aufgaben wird das Putzen dieser heiligen Halle gehören, wobei darin nichts von seinem Fleck weg bewegt werden dürfe. Schon bei ihrem ersten Betreten des Ateliers ist Griet so fasziniert von den Gemälden des Meisters, dass sie von der Hausherrin Maria Thins unwirsch an ihre Arbeit erinnert werden muss.

Auf dem Markt macht Griet (SCARLETT JOHANSSON) beim Einkauf für den Haushalt die Bekanntschaft mit dem Schlachter und dessen Sohn Pieter (CILLIAN MURPHY). Besonders bei Pieter hinterlässt sie einen bleibenden Eindruck, als sie das ausgehändigte Fleisch zurückgehen lässt, da es nicht frisch genug für die Hausherrin sei. Zurück bei den Vermeers wird Griet Ohrenzeugin eines Streits zwischen Hausherr und Gattin. Tanneke weiht sie ein, dass die Familie von Geldsorgen geplagt wäre, da das Oeuvre des Meisters keinesfalls an Qualität, jedoch an Quantität zu wünschen übrig ließe und Catharina sogar schon ihren Schmuck versetzen musste, um den prunkvollen Lebensstil aufrechterhalten zu können.

Als Catharina ihr sechstes Baby bekommt, wird Griet von Maria Thins mit einer anderen frohen Botschaft zu Vermeers Patron Van Ruijven (TOM WILKINSON) geschickt: Das von ihm in Auftrag gegebene Gemälde sei endlich fertig gestellt. Mit anzüglichen Bemerkungen macht Van Ruijven keinen Hehl daraus, dass er Gefallen an Griet findet. Er lobt Vermeer als besten Maler von Delft und zeigt Griet das zuletzt von ihm gekaufte Bild, das ihn mit seiner damaligen Magd zeigt. Wie Tanneke später berichtet, wäre das Posieren in feinen Kleidern und an der Seite eines Mannes, der ihrem Stand weit überlegen sei, eher zum Schaden des Mädchens gewesen.

Die Geburt des kleinen Franciscus und des neuen Meisterwerks wird in Anwesenheit von Van Ruijvens gefeiert. Maria Thins erhofft sich schnellstens einen neuen Auftrag, da sie davon ausgeht, dass Vermeer anderenfalls eine unlukrative, kreative Pause einlegen würde. Doch diesmal soll sie mit ihrer Vermutung nicht Recht behalten. Als der Maler Griet in seinem Atelier dabei überrascht, wie sie sich darum bemüht, Licht durch die beschmutzen Scheiben zu bringen, hat er sein Motiv gefunden.

Griet posiert nun täglich für den Maler, der nach und nach faszinierter ist von dem jungen Mädchen, das so viel Begeisterung für seine Arbeit zeigt. Zugleich fühlt sich Griet immer mehr in den Bann des Künstlers gezogen. Schon bald übernimmt sie auch die Aufgabe des Farbenmischens und ist so ständig an seiner Seite. Obwohl sie Welten, Bildung und sozialer Stand trennen, verbindet sie ein intuitives Verständnis für Farben, Licht und die Malerei.

Vermeers zwölfjährige Tochter Cornelia (ALAKINA MANN) ist zunehmend eifersüchtig auf die Zeit, die Griet und ihr Vater miteinander verbringen. Sie beginnt, Griet zu schikanieren, wo sie nur kann, beschmutzt gewaschene Wäsche und zerbricht sogar das einzig Wertvolle, was Griet von ihren Eltern mit auf den Weg gegeben wurde: eine von ihrem Vater bemalte Kachel.

Auch Tanneke bemerkt die wachsende Nähe zwischen Magd und Meister. Vor allem ist sie aber unzufrieden darüber, zusätzlich die Kinderfrau bekochen zu müssen und in aller Herrgottsfrühe von Babygeschrei und Griet geweckt zu werden, die aus dem Keller ins Atelier hinaufsteigt. Vermeer schlägt vor, dass Tanneke zurück in den Keller zieht und Griet im Obergeschoss schläft, wo sie morgens ihre Putzarbeiten erledigen könne. Die misstrauische Catharina, deren Schmuck im Atelier verwahrt wird, beruhigt er, indem er ihr er einen Schlüssel für sein Reich übergibt.

Catharina befindet sich erneut in anderen Umständen - und der Anblick von Vermeer und seiner Gattin wird Griet immer unangenehmer. Sie findet Ablenkung bei Pieter, der sich längst in sie verliebt hat. Als Maria Thins einen wertvollen Perlmuttkamm vermisst, beschuldigt sie die Magd des Diebstahls. Vermeer eilt der unschuldigen Griet zu Hilfe - und findet das vermisste Kleinod bei Tochter Cornelia, die ihre gerechte Strafe erhält. Doch ebenso wie Cornelia ist auch Catharina die Beziehung ihres Mannes und der Magd zunehmend ein Dorn im Auge. Maria Thins bittet den Patron ins Haus und um einen neuen Auftrag, der Vermeer von seinem heimlichen Porträt des Mädchens abbringen könnte.

Der Patron erwünscht das Bild einer fröhlichen Tischgesellschaft - jedoch nur unter der Bedingung, dass Griet mit ihm gemeinsam dafür posiere. In Windeseile spricht sich in Delft herum, dass sich erneut eine Magd mit dem Patron malen lassen würde, was bereits einem anderen Mädchen zum Verhängnis wurde. Zwar hält Pieter zu Griet - doch er rät ihr, sich nicht mit der höheren Gesellschaft einzulassen. Tatsächlich hat er längst bemerkt, dass es Vermeer ist, in dessen Netz Griet wie eine Fliege gefangen ist - wie Maria Thins sarkastisch feststellt.

Auch Van Ruijven ist dies nicht entgangen - und nicht ohne Schadenfreude hat er eine perfide Intrige erdacht: Nicht mit ihm gemeinsam wird Griet Modell stehen, sondern Vermeer solle neben dem Gruppenbild ein weiteres Porträt von Griet für ihn anfertigen. Maria Thins sieht in diesem Plan lediglich den finanziellen Gewinn - und tut alles, um die Beziehung zwischen Magd und Meister weiter vor Catharina geheim zu halten und zu unterstützen.

Doch sowohl für Griet als auch für Vermeer wird die gemeinsame Arbeit zur Qual. Als er sie beim Wechseln ihrer Kleider und dem Öffnen ihrer Haare beobachtet, kann er fortan den Blick nicht mehr von ihr abwenden. Und als Griet erstmals das Porträt sieht, das Vermeer von ihr geschaffen hat, stellt sie überwältigt fest: "Sie haben in mich hineingesehen".

Doch als Van Ruijven ihr immer mehr nachstellt und Vermeer bei seinem Drang nach Perfektion auf Gefühle keine Rücksicht nimmt, spitzt sich für Griet die angespannte Situation dramatisch zu: Für seine Kunst setzt Vermeer sogar seine Ehe aufs Spiel - aber ist auch Griet bereit, für eines der großartigsten Gemälde, das je geschaffen werden soll, den hohen Preis zu zahlen, der von ihr verlangt wird?


PRODUKTIONSNOTIZEN

DAS MÄDCHEN MIT DEM PERLENOHRRING wurde von Drehbuchautorin Olivia Hetreed nach dem weltberühmten Bestseller von Tracy Chevalier für die Leinwand adaptiert. Die Stars des Films sind Colin Firth als Vermeer, Scarlett Johansson als Griet und Tom Wilkinson in der Rolle des Van Ruijven. Der Film markiert das Leinwanddebüt von Regisseur Peter Webber. Andy Paterson (HILARY & JACKIE ("Hilary & Jackie", 1998), RESTORATION ("Restoration - Zeit der Sinnlichkeit", 1995)) und Anand Tucker (Regisseur von HILARY & JACKIE) produzierten für Archer Street und Inside Track. Jimmy de Brabant zeichnet als Ko-Produzent für die Luxemburger Delux Productions verantwortlich.

Colin Firth spielte in über vierzig Filmen einschließlich BRIDGET JONES´S DIARY ("Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück", 2001), SHAKESPEARE IN LOVE ("Shakespeare in Love", 1998), THE ENGLISH PATIENT ("Der englische Patient", 1996), VALMONT ("Valmont", 1989) und PRIDE AND PREJUDICE ("Stolz und Vorurteil", 1995). Zuletzt war er an der Seite von Hugh Grant, Emma Thompson und Liam Neeson in Richard Curtis´ romantischer Komödie LOVE ACTUALLY ("Tatsächlich ... Liebe", 2003) zu sehen. Außerdem schloss er die Produktion des Psychothrillers TRAUMA (2004) mit Mena Suvari und das lang erwartete Sequel BRIDGET JONES: THE EDGE OF REASON (2004) ab.

Scarlett Johansson gehört zu den aufregendsten Nachwuchsschauspielerinnen Amerikas. Im Alter von zwölf Jahren von Robert Redford in THE HORSE WHISPERER ("Der Pferdeflüsterer", 1998) besetzt, spielte sie anschließend in GHOST WORLD ("Ghost World", 2000) und THE MAN WHO WASN´T THERE ("The Man Who Wasn´t There", 2001). Neben Bill Murray in Sofia Coppolas Überraschungserfolg LOST IN TRANSLATION ("Lost in Translation") wurde sie Anfang des Jahres endgültig zum Star: Der Film wurde mit dem Oscar(r) für das Beste Drehbuch und mit zahlreichen Kritikerpreisen bedacht und brachte Johansson unter anderem den Preis als Beste Schauspielerin beim Filmfestival von Venedig, den BAFTA und den Golden Globe ein. Zu dem starken Ensemble von DAS MÄDCHEN MIT DEM PERLENOHRRING gehören außerdem der für den Oscar(r) nominierte Tom Wilkinson (IN THE BEDROOM, "In the Bedroom", 2001)), Judy Parfitt ("E.R."), Cillian Murphy (28 DAYS LATER, "28 Days Later", 2002)) und Alakina Mann (THE OTHERS, "The Others", 2001)).

Peter Webber inszenierte unlängst zwei von den Kritikern vielfach gelobte TV-Dramen, "Men Only" und "The Stretford Wives". Die Produzenten Andy Paterson und Anand Tucker arbeiten seit vielen Jahren mit Webber zusammen. Der für den Oscar(r) nominierte Kameramann Eduardo Serra (THE WINGS OF THE DOVE ("Die Flügel der Taube", 1997), Ausstatter Ben van Os (ORLANDO ("Orlando", 1992) und die oscar(r)-gekrönte Maskenbildnerin Jenny Shircore (ELIZABETH ("Elizabeth", 1998)) runden den prestigeträchtigen technischen Stab ab.

Tracy Chevaliers berühmter Roman DAS MÄDCHEN MIT DEM PERLENOHRRING hat sich seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1999 weltweit über zwei Millionen Mal verkauft.


Von der Schrift zum Bild

Produzent Andy Paterson und seine Frau, Drehbuchautorin Olivia Hetreed, lasen das Manuskript von DAS MÄDCHEN MIT DEM PERLENOHRRING einige Monate bevor der Roman veröffentlicht wurde. "Ein außergewöhnlicher Stoff. Ich las ihn in einem Zug, beinahe ohne Atem zu holen", schwärmt Hetreed. Paterson bestätigt: "Ich habe mich in Griet verliebt - in ihre ruhige Besonnenheit, ihren Entschluss, frei zu sein - in einer Welt, in der dies für ein Mädchen ihrer Herkunft eigentlich unmöglich war. Der häusliche Frieden ist trügerisch. Ich sah darin von Anfang an einen Leinwandthriller. Und ich liebe die Art und Weise, mit der Tracy die wenigen bekannten Fakten über Vermeer verknüpft und eine perfekte Story über das Mädchen gesponnen hat, das das Gemälde inspiriert hat."

Paterson und sein Produzenten-Partner Anand Tucker - Regisseur von Archer Streets Oscar(r)-nominiertem HILARY & JACKIE ("Hilary & Jackie", 1998) - machten sich sofort daran, Schriftstellerin Tracy Chevalier zu überzeugen, die Filmrechte zu verkaufen. Obwohl niemand vorhersehen konnte, was für ein weltweiter Erfolg aus dem Roman werden sollte, hatten bereits andere Produzenten Interesse angemeldet. "Andy Paterson und Anand Tucker machten ihren Job ziemlich gut", erinnert sich Chevalier. "Sie überzeugten mich, dass sie den Geist des Romans auf die Leinwand übertragen könnten."

"Tracy war besorgt, dass der Film zu einem Hollywood-Melodrama werden könnte", merkt Paterson an, "aber wir konnten ihr versichern, dass wir genau die Geschichte wiedergeben wollten, die sie geschrieben hatte. Insbesondere was den Aspekt angeht, dass Griet und Vermeer nicht ihren körperlichen Sehnsüchten nachgeben - uns war klar, dass die erotische Kraft der Story eben darin lag, dass es nicht dazu kommt."

Hetreed erarbeitete mit den Produzenten ein Treatment für das Drehbuch. "Das Buch ist so visuell, so cinematogaphisch - eine Story, in der es ständig um das Sehen und Malen geht, um Illusion und Realität. Obwohl die Stimme des Romans aus Griets Kopf spricht", erklärt Hetreed, "wollte ich kein Voice-Over verwenden. Das fühlte sich zu modern an, zu selbstbewusst. Die Herausforderung lag darin, einen anderen Weg zu finden, mit dem die innere Stimme Griets auf die Leinwand gebracht werden konnte." Hetreed und Tracy Chevalier verstanden sich von Anfang an hervorragend. "Wir wurden elektronische Brief-Freunde", so Hetreed. "Für mich ist Tracy die ideale Autorin, sie gab mir einen Einblick in ihre Recherchen und war sehr zuversichtlich hinsichtlich der Adaption ihres Werks. Bei allem hielt sie sich stets zurück und gewährte mir freie Hand." In Chevaliers Augen "verstand Olivia genau, was ich sagen wollte, und war in der Lage, die Themen noch weiter zu spinnen, als ich sie formuliert hatte. Sie schrieb einiges in das Drehbuch, von dem ich mir wünschte, dass es mir eingefallen wäre." Ihre Freundschaft wurde während der Post-Produktion des Films so eng, dass beide gemeinsam zum Banff Television Festival reisten, um ein Seminar über Adaptionen zu leiten. Beide Autoren fühlten sich, als "könnten sie die Gedanken des anderen lesen."


Die Inspiration

Das Original-Gemälde "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" ist in Den Haag in Holland zu bewundern. Es soll im Jahr 1665/6 entstanden sein, doch der genaue Ursprung ist unbekannt. Tracy Chevalier besaß ein Poster des Kunstwerks, das in ihrem Schlafzimmer hing als sie 19 war. "Ich lag eines Morgens in meinem Bett, betrachte das Gesicht des Mädchens und dachte plötzlich: ´Was hat Vermeer nur getan, um sie zur selben Zeit so glücklich und traurig aussehen zu lassen?´ Innerhalb von drei Tagen hatte ich die gesamte Story ausgearbeitet. Es war gar nicht anstrengend, ich konnte alles in ihrem Gesicht sehen. Vermeer hatte die ganze Arbeit bereits für mich gemacht."

Paterson erklärt: "Die Story, die Tracy geschaffen hat, passt perfekt zu den wenigen Fakten, die aus Vermeers Welt bekannt sind; über seine Familie und seine finanzielle Situation; über seine Abhängigkeit von seinem Gönner, über seine Faszination für die camera obscura. Ein schönes Beispiel dafür, wie sie diese Fakten verarbeitete, ist die Sequenz, in der Griet ihren Stuhl verrückt. Röntgenaufnahmen zeigen, dass es tatsächlich einen Stuhl im Bild ´Das Mädchen mit der Wasserkanne am Fenster´ gab, aber Vermeer hat diesen übermalt. Tracy greift dies auf, um Griets Charakter eine weitere Facette zu verleihen und die Beziehung zu Vermeer voranzutreiben. So ist der Roman natürlich Fiktion, aber er fühlt sich authentisch an. Ich unterhielt mich mit wichtigen Kunstexperten, die heute über Griet sprechen, als hätte sie wirklich existiert - mehr Lob kann es für Tracys Arbeit gar nicht geben. Als wir auf die Mauritshuis zugingen, die Besitzer des Gemäldes, boten sie uns ihre Unterstützung an und waren natürlich begeistert, dass Scarlett das Mädchen auf dem Bild spielen würde."


Der Regisseur

Die Produzenten baten Peter Webber, die Regie zu übernehmen. Paterson erklärt: "Obwohl dies Peters Kinodebüt ist, arbeiten wir schon seit einigen Jahren mit ihm zusammen. Zuerst schnitt er Anand Tuckers erstes Drama SAINT-EX (1996), dann war er Regisseur von Dokumentarfilmen und beschäftigte sich mit den unterschiedlichsten Themen von Crash-Test-Dummys bis Wagner. Sein erster dramatischer Spielfilm war der kontrovers diskutierte "Men Only" für Channel Four, der den Absturz einer Gruppe von Hooligans in die Kriminalität beschreibt. "Peter wollte schon immer Filme machen", so Paterson. "Sein filmisches Wissen ist beneidenswert, und Colin, Scarlett und Tom Wilkinson zögerten nicht einen Moment bei der Entscheidung für die Zusammenarbeit mit ihm. Peter, Olivia und ich haben alle drei im Schneideraum begonnen und teilen die Begeisterung für das Geschichtenerzählen im Film."

Für Webber, der Kunstgeschichte studiert hatte und schon immer von Vermeer begeistert war, enthält die Geschichte alle essentiellen Elemente des Dramas - Geld, Sex und Macht. Er sagt: "Vermeer lebte in einem Haushalt, der laut war und chaotisch. Er stand unter großem finanziellen Druck, mehr und schneller zu malen, um seine Familie ernähren zu können. Dennoch strahlen seine Gemälde eine solche Ruhe aus. Ich war begeistert, wie Tracys Geschichte seine Arbeit reflektierte, mit welcher Nähe und welchem Verständnis sie das Ganze zu einem epischen Werk werden ließ. Griets Situation zerreißt einem das Herz. Die unterdrückte romantische Leidenschaft, die zwischen ihr und Vermeer besteht, inspiriert ihn dazu, sie zu malen - doch der Wunsch nach der Perfektion dieses Gemäldes führt zu ihrem Untergang. Sie weiß, dass sie keine Forderungen stellen darf, versteht, dass ihre Beziehung geopfert werden muss, wenn die Wahl zwischen sie und ein Meisterwerk gestellt wird. Dieses Verständnis ist das, was ihn von Anfang an an ihr fasziniert. Das Vermächtnis ihrer Zeit mit Vermeer ist eines der schönsten Gemälde, das je geschaffen wurde."


Griet - Scarlett Johansson

Dass die Besetzung von Griet, des siebzehnjährigen Mädchens aus behütetem Haus im Holland des 17. Jahrhunderts, eine Herausforderung werden würde, war von Anfang an klar. Paterson: "Wir wussten, dass dies eine außergewöhnliche Rolle für ein junges Mädchen sein würde, und es gab unglaublich viele Bewerberinnen. Als wir Scarlett kennen lernten, wirkte sie wie ein New Yorker Teenager auf dem Weg zu einem Basketballspiel. Beim zweiten Treffen war sie Griet."

"Scarlett arbeitet länger im Filmgeschäft als ich", so Webber. "Und obwohl sie sehr jung ist, hat sie eine erwachsene Seele. Sie hat eine Charakterstärke und ein Gesicht, das man auf der Leinwand dieser Tage nicht so oft zu sehen bekommt - sie hat die hypnotisierende Wirkung eines Stummfi


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